Ein aufklärender und realistischer Blick auf das Taubenhaus am Marler Stern und die Frage, warum sich die Stadttauben RUND UM den Marler Stern wieder vermehren
Auf einem Video auf unserer Facebook Seite sieht man recht eindrücklich, wie viele Tiere im Taubenhaus leben. Um es mal in Zahlen auszudrücken: etwa 300. All diese Tiere wurden und werden nicht im Taubenhaus gezüchtet
Es handelt sich um „Marler“ Tauben, die nach und nach eingezogen sind: ganz am Anfang brachten wir einige „Locktauben“ im Taubenhaus unter. Dies waren Tauben, die im Vorfeld aus verschiedenen Gründen am Marler Stern oder auch im Marler Stadtgebiet gesichert wurden (verletzt, krank, aus dem Nest gefallen usw.) und in Pflegestellen gepäppelt wurden. Da Tauben standorttreu sind, mussten wir sie eine Zeitlang an ihr neues Zuhause gewöhnen, um sicher zu sein, dass sie auch wiederkommen, wenn wir die Voliere für den Freiflug öffneten. Parallel dazu brachten wir damals die Tauben rund um den Stern über Wochen mit Futterspuren dazu, das Taubenhaus für sich zu entdecken und als neues Zuhause auszuwählen (angelockt von Futter und eben den Locktauben). Dass dies sehr erfolgreich geklappt hat, sieht man in den Videos. Nach und nach fanden immer mehr Tauben ihren Weg in das Taubenhaus.
Doch auch ein (zu) gut angenommenes Taubenhaus bringt Probleme mit sich:
1. Wir sind einfach voll. Und immer wieder finden wir entweder selber Tauben oder es werden uns von tierlieben Menschen Tauben gebracht. Sollten sie gepäppelt werden müssen, können wir nur hoffen, dass eine Pflegestelle noch ein Plätzchen frei hat. Sollten sie am Fundort zumindest mit Futter versorgt worden sein, müssen wir sie ggf. dort wieder aussetzen. Zusätzlich finden immer noch weitere Tauben von allein den Weg zum Taubenhaus oder Jungtieren wird von ihren Eltern der Weg dorthin gezeigt (wir können ja nicht einfach die Aus-/Einflüge schließen). Zu den Jungtieren mehr unter 5.
2. Der tägliche Arbeitsaufwand liegt bei mehreren Stunden und hat sehr viel mit Scheiße zu tun
Vielleicht hat jemand die Fantasie sich vorzustellen, was aus 300 Tieren herauskommt. Das ist übrigens alles Kot, der nun nicht mehr rund um den Marler Stern verteilt wird. Wir lieben Tauben und den Umgang mit ihnen, aber an dieser Stelle nochmal für die Menschen, die meinen, dass dies unser „Hobby“ sei: Taubenzucht ist ein Hobby. Was wir machen, halten wir für eine notwendige Pflicht, da die Tiere ansonsten ein leidvolles Leben führen und sich unkontrolliert vermehren. Hier sollten eigentlich die Kommunen in die Verpflichtung genommen werden, da Stadttauben ebenso wie z.B. verwilderte Katzen Haustiere sind. Auch wir können uns andere Dinge vorstellen, als bei +30° oder -5° im Taubenhaus zu arbeiten.
3. Ein Auge auf die einzelnen Tiere zu haben wird, immer schwerer. Es ist wichtig, die einzelnen Tiere im Blick zu haben und Verletzungen, Krankheiten oder untypisches Verhalten zu erkennen, um sie ggf. zeitnah medizinisch versorgen zu können. Eine einzelne kranke Taube, die vielleicht von außerhalb kommt, kann zig Tiere anstecken. Häufig sind Verletzungen durch Greifvögel, aber auch kleinere Verletzungen, die sich die Tauben gegenseitig zufügen, die aber selten von einem Tierarzt behandelt werden müssen. Ebenso gibt es immer wieder Tiere, die sich nur schwer durchsetzen können (auch bei den Tauben gibt es ganz unterschiedliche Charaktere) und vom Futter „weggemobbt“ werden. Auch hier haben wir ein Auge drauf und füttern in mehreren Etappen. Auch das alles ist zeitaufwendig.
4. Die Kosten. Die Futterkosten und Kosten für die medizinische Versorgung sind (so wie alles andere im Leben) in den letzten Monaten enorm gestiegen. Wir freuen uns wirklich über jede Spende![]()
5. Wie bereits erwähnt, finden teilweise Jungtiere ihren Weg zum Taubenhaus. Aber wie kann das sein? Im Taubenhaus werden die Eier gegen Gipseier getauscht (Beweisfoto anbei für die Menschen, die uns empfehlen, doch mal die Eier zu tauschen – meist mit dem Zusatz, dass sich die Ratten der Lüfte dann wenigstens nicht weiter vermehren). Die Erklärung ist absolut naheliegend: es gab immer und gibt noch ZIG Nistplätze rund um den Marler Stern. Damit sind weniger einzelne Balkone gemeint, sondern große Flächen z.B. in der Unterführung, hinter Kaufland, in den Parkdecks. Viele davon sind uns bekannt (sicher nicht alle) und viele hätten schon mit dem Bau des Taubenhauses vor einigen Jahren (tierschutzgerecht) verschlossen werden sollen. Wir haben uns da teilweise die Lippen in Fransen geredet, wir wurden von A nach B geschickt, niemand war oder fühlte sich zuständig. Zu Beginn unserer Vereinsarbeit (als noch wenige Tauben im Taubenhaus wohnten) hatten wir noch die zeitlichen Kapazitäten, in der Unterführung und dem Riegelhaus die Eier zu tauschen (als wir noch hofften, dass diese Nistplätze nach unseren Absprachen und Bitten verschlossen werden). Hier fehlen uns einfach die entsprechenden zeitlichen und personellen Kapazitäten, da man teilweise auch noch schwindelfrei sein muss. Wir hoffen, dass wir in der Unterführung evtl. ab nächster Woche wieder Eier tauschen können. Aber es gibt noch genug andere bekannte Nistplätze und solange diese nicht (bitte in Absprache mit uns!) verschlossen werden, werden sich die Tauben munter weiter vermehren. Und das machen sie auch, wie ich selbst sehe, wenn ich auf der Busplatte bin. Es ist nicht so, dass uns das nicht auffällt. Aber hier können wir nur machtlos und traurig zusehen und uns fragen, warum wir einen Verein gegründet haben und uns jeden Tag die Arbeit antun, wenn niemand dazu bereit ist, einfach mal z.B. ein paar Lochbleche an entscheidenden Stellen anzubringen.
Danke an alle Unterstützer*innen und die, die sich den zugegeben sehr langen Text durchgelesen haben
Wer uns helfen möchten (im Taubenhaus oder beim Eiertausch) ist herzlich willkommen. Kommt gerne an irgendeinem Tag in der Woche mal vorbei. Vormittags ist immer jemand da. So nett es auch gemeint sein mag, wenn man im ersten Moment denkt, dass man gerne helfen möchte: auf unseren letzten Aufruf haben sich 4 Leute gemeldet. Nach viel zeitraubendem Geschreibe kam eine Dame immerhin einmal vorbei und dann nie wieder, die anderen kamen gar nicht erst. Dafür haben wir wirklich keine Zeit![]()


